Cinque Terre: wunderschön, wenn es nicht so überlaufen wäre… Monterosso, Riomaggiore und Monarola

Plan für heute: Wanderung entlang der Küste nach Süden und mit der Bahn zurück. Trotz Bahnstreik. Ab 18 Uhr soll es wieder Züge geben, hat mir die Dame am Informationsschalter am Bahnhof gestern gesagt.
Nach dem Frühstück breche ich auf.
Der Ort ist noch ruhig, kaum jemand unterwegs. Blauer Himmel, aber es ist noch kühl. Ich gehe zum Strand, zum südlichen Ende und dort beginnt der Pfad nach Monterosso. Eine Dame mittleren Alters geht beherzt die Treppen hoch. Ich warte ein paar Augenblicke, dann gehe ich hinterher: zuerst zu dem alten Turm mit Blick über die Stadt, dann am oberen Ende der privaten Parks vorbei und dann in die locker bewaldete Küstenlandschaft, hier und dort noch Gebäude mit Gärten. Dann geht es eine ganze Weile durch Wald – und zwischendurch immer wieder spektakulärer Blick über die Küste, das heißt die Bucht von Levanto und das, was weiter nördlich davon liegt. Hin und wieder überholen mich andere Leute: Paare, Grüppchen, mehrere Schweizer, Deutsche, hin und wieder auch Italiener und dann ist da eine größere französische Gruppe.
Es geht mehr oder weniger stetig bergan, der Weg ist gut ausgeschildert. Nach einer Weile kommt ein ehemaliger Bauernhof (oder so), der lange brach lag und jetzt – als irgendwie ökologisches Projekt – wieder bewirtschaftet wird.
Blauer Himmel, aber es ist noch kühl. Ich schwitze trotzdem, auch wenn ich nur ein Polohemd anhabe. Zwischendurch duftet es – nach Blüten, irgendwie süß, fast nach Frühling.
Nach einer Weile erreiche ich den Scheitelpunkt und von hier zum ersten Mal der Blick hinunter nach Süden, nach Monterosso, über die eigentliche Cinque-Terre. Ein Stichpfad führt zum Ende der Halbinsel, da ist eine Kirchenruine im Gebüsch und ein ehemaliger Leuchtturm, wohl eher eine ehemalige Küstenwachen-Station, ziemlich verfallen.

Küstenlinie zwischen Levanto und Monterosso

Von hier ab führt der Weg steil bergab, teilweise in Stufen. Eine italienische Joggerin kommt mir entgegen, die französische Gruppe überholt mich.
Dann erreiche ich die Gebäude von Monterosso, gehe hinunter in den Ort.
Inzwischen ist es richtig warm, im Ort eine Menge los, die Strandlokale voll, am Strand tobt das Strandleben, nicht wenige Leute baden sogar.
Ich hole mir ein Eis und setze mich auf eine Bank mit Blick über den Strand. Interessant an Monterosso ist, dass der Bahnhof direkt an der Strandpromenade liegt, mit dem Ausgang direkt zwischen den Strandlokalen und wenn man weiter die Strandpromenade entlang geht, hört man Bahnhofsansagen und den typischen Gong, hin und wieder kommen auch Züge. Die fahren wohl – trotz Streik – immer noch recht regelmäßig.
Ich gehe an dem Turm vorbei, überquere die kleine Landzunge, die den Ort quasi in zwei Hälften teilt. Dahinter der ältere Teil mit Piazza und Kirche und dann ein Weg an den Felsen entlang am Südende der Bucht.
Ein paar junge Amerikaner kommen mir entgegen: der Küstenpfad ist gesperrt. Ich gehe trotzdem weiter – dann kommt ein Kassenhäuschen, da sitzt jemand und passt auf, dass niemand durchgeht. Es gab wohl einen Landrutsch. Man kann entweder ganz weit außen herum gehen über die Berge – das dauert bis zum nächsten Ort 3-4 Stunden, oder man fährt mit dem Zug. Nur wenige Teile des Weges sind offen.
Ich kehre um, komme bei der Kirche aus, gehe durch den Tunnel, der die Halbinsel unterquert in den nördlichen Teil und gönne mir in der Mittagshitze in derselben Eisdiele wie vorhin einen Kaffee und ein Fläschchen Wasser – sitzend mit Blick auf den Strand.
Dort tobt das Strandleben.
Dann nehme ich den nächsten Zug nach Riomaggiore, den südlichsten Ort der Cinque Terre.
Durch einen langen Tunnel gelange ich vom Bahnhof in das Dorf: eine steil bergan führende Hauptstraße, links und rechts steile Hänge, dicht bebaut mit einem Gewirr von engen Gässchen. Ich gehe durch die Gässchen zum kleinen Hafen, dann weiter durch irgendwelche Gässchen, komme oberhalb des Bahnhofs aus und dann die nächste böse Überraschung: auch die berühmte „Via Amore“ – der gemütliche flache Weg direkt an der Steilküste, über den man innerhalb einer halben Stunde zu Fuß ins Nachbardorf gelangt – ist gesperrt. Seit mehreren Jahren schon, wohl seit 2012 (1920 wurde er übrigens gebaut).
Der Angstellte in der Touristeninformation am Bahnhof verteilt Landkarten, auf denen er per Hand mehrere Teile des Küstenpfades durchstreicht, und das, was offen ist, ist inzwischen gebührenpflichtig. Aber der steile Weg über den Berg ins Nachbardorf ist kostenfrei.
Und der Weg ist wirklich steil. Bis zum Ortsende führt eine Straße, da biegt man dann ab in die Weinberge, dann geht es steil bergauf, zum Teil über steile Treppenstufen. Und dann geht ebenso steil hinunter wie hinauf, vielelicht noch steiler. Hin und wieder schöner, spektakulärer Blick in das Dorf. Der Weg endet in einer engen Gasse nicht weit von der Kirche.
Ich komme oberhalb des Bahnhofs aus, gehe weiter durch Gassen, die balkonartig über dem Meer entlang verlaufen und gelange dann irgendwann hinunter in die Dorfstraße. Da liegen abgedeckte Boote in der Dorfstraße. Die winzige Bucht ist zu eng für einen richtigen Hafen, es reicht gerade für einen Anleger. Auf der anderen Seite der Hafenbucht führt eine Promenade sanft bergauf. Ich gehe eine Weile, bis mir auffällt, dass die Leute sehr viel fotografieren, auch viele Leute mit professionellem Equipment, mit Stativen und so. Ich drehe mich um und sehe das herrliche Panorama: der Ort, der direkt am Felsen klebt mit den bunten Häuschen, auf dem Felsen, vor dem blauen Meer. Und es ist gerade die „goldene Stunde“, das schönste Licht. Die Promenade führt auf einen Hügel, da ist ein großes Gartenlokal. Soll ich mir hier einen Aperetivo gönnen? So einfach ist das nicht: der Eingang ist mit einer dicken Kordel abgesperrt. Dahinter wuseln verschiedene Kellner. Ab und zu kommt mal jemand raus, und wenn er gnädig ist, dann gibt er einem eine Karte mit einem QR-Code, die muss man dann abscannen und dann erfährt man, auf welcher Position der Warteliste man gerade steht.
Das ist mir definitiv zu kompliziert.
Auf dem Weg unterhalb sind zahlreiche Bänke. Ich setze mich, schaue einfach den Leute zu und genieße das herrliche Panorama.
Es ist halb sechs, goldenes Licht, goldene Stunde und ich befinde mich auf dem Selfie- und Fotolaufsteg. Ein junges deutsches Paar gibt mir den Tipp, um die Ecke gibt es eine Art Kiosk, wo ich eine Flasche Bier und eine leckere Foccacia erwerbe, die ich dann auf einer Bank mit Blick auf das Panorama genieße.
Dann gehe ich langsam zurück durch den Ort. Ein langer Tunnel führt zum Bahnhof und zum wohl romantischsten Bahnsteig der Welt mit Blick auf das Meer und den Sonnenuntergang.

Manarola, der romantischste Bahnsteig der Welt

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